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Frankfurt (evi) Die Bezeichnung „altersbedingte Linsentrübung“ trifft eigentlich nicht ganz zu, denn heute wissen die Mediziner, dass der Graue Star kein unabwendbares Schicksal des Alters ist. Die sogenannte Katarakt entsteht vielmehr durch Umwelteinflüsse, vor allem durch die Sonneneinstrahlung.

Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass in erster Linie Menschen, die oft UV-Strahlen ausgesetzt sind (zum Beispiel am Arbeitsplatz oder bei häufigem Urlaub im Hochgebirge), ein besonders hohes Risiko haben, eine Katarakt zu entwickeln. Selbst junge Menschen können davon betroffen sein. In jungen Jahren kann der Mensch die Schädigung an der Augenlinse durch UV-Licht allerdings noch besser ausgleichen als im späteren Lebensalter.

UV-Strahlen kommen jetzt im Sommer wieder geballt auf uns zu. Sie lassen im Körper „freie Sauerstoffradikale“ entstehen, die die Eiweißkomponenten der Augenlinse attackieren. Je mehr Schäden durch UV-Licht über die Jahre an der Augenlinse auftreten, desto eher trübt sie sich, das heißt eine Katarakt entsteht. Dies kann bis zur Erblindung führen. Zum Glück haben freie Sauerstoffradikale von Natur aus unsichtbare Gegner, nämlich die Vitamine E und C sowie das Provitamin Beta-Carotin. Sogar in der Augenlinse selbst ist schützendes Vitamin C vorhanden, und zwar in etwa 60mal höherer Konzentration als beispielsweise im Blut. Auch Vitamin E kommt in der Augenlinse vor.

Schon mehrere Studien haben gezeigt, dass Menschen, die viel Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin mit der Nahrung aufnehmen, ein geringeres Risiko für Katarakte haben. In der Praxis bedeutet das: regelmäßig Obst und Gemüse essen, am besten fünf Portionen am Tag.

Gerade ältere Personen bewältigen aber nur noch kleinere Mengen. Dass Vitaminpräparate als Ergänzung des täglichen Speiseplans dabei Abhilfe schaffen können, zeigen Untersuchungsergebnisse einer Arbeitsgruppe aus Boston (1). Die Wissenschaftler werteten Daten von 247 Frauen im Alter von 56 bis 71 Jahren zur Vitamin-C-Aufnahme und dem Kataraktrisiko aus. Das Ergebnis war erstaunlich: Bei Frauen, die zehn Jahre oder länger Vitamin C zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung eingenommen hatten, kam es zu 77 Prozent weniger Linsentrübungen als bei denjenigen, die das nicht taten.

Eine Bestätigung lieferte eine weitere Studie (2): Personen, die regelmäßig Multivitaminpräparate eingenommen hatten, wiesen ein deutlich geringeres Risiko für Katarakte auf. Wer gut mit Vitamin E versorgt war, war noch besser vor Linsentrübungen der Augen geschützt. Auch in einer erst kürzlich erschienenen Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass Menschen, die mit ihrem Vitamin-E-Blutspiegel im oberen Drittel lagen, seltener Katarakte bekamen als diejenigen, deren Werte im unteren Drittel angesiedelt waren (3).

Die Kataraktentstehung ist also bis zu einem gewissen Grad beeinflussbar. Besonders wenn frühzeitig mit der Vorsorge angefangen wird, kann das Risiko durch Vitamine gesenkt werden. Wer keine Vitaminpräparate nehmen möchte, kann auch zu angereicherten Lebensmitteln oder Multivitaminsäften greifen.

Mehr Informationen zu diesem Thema:
Arbeitskreis Ernährungs- und Vitamin-Information e.V. (evi), Rembrandtstraße 13, 60596 Frankfurt/M.
Tel: 069 / 61 90 11, Fax: 069 / 60 32 73 77

Quellen:

1. Jacques PF, Taylor A, Hankinson SE, Willett WC, Mahnken B, Lee Y, Vaid K, Lahav M: Long-term vitamin C supplement use and prevalence of early age-related lens opacities. Am J Clin Nutr (1997) 66: 911-916

Leske MC, Chylack LT, He Q, Wu SY, Schoenfeld E, Friend J, Wolfe J: Antioxidant vitamins and nuclear opacities. The longitudinal study of cataract. Ophthalmology (1998) 105: 831-836

Lyle BJ, Mares-Perlman JA, Klein BEK, Klein R, Palta M, Bowen PE, Greger JL: Serum carotenoids and tocopherols and incidence of age-related nuclear cataract. Am J Clin Nutr (1999) 69: 272-277