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Jeder zweite Deutsche erkrankt oder stirbt an einem Herz-Kreislauf leiden. Bei Männern über 35 ist der Herzinfarkt die Todesursache Nummer eins. Dabei fällt auf, dass der Herzinfarkt häufig „Familiensache“ ist. Die Vermutung vieler Betroffener, dass sie das Herzinfarktrisiko von der Familie geerbt haben, liegt hier nahe.

„Wenn der Vater einen Herzinfarkt erlitten hat, liegt das eigene Risiko um das drei- bis vierfache über dem Durchschnitt,“ warnt Prof. Dr. Herbert Schuster, Professor der Medizin an der Humboldt Universität zu Berlin, Arbeitsgruppenleiter „Genetik von Herzkreislaufkrankheiten“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und Leiter des Infogen-Instituts. Schätzungsweise trägt jeder Fünfte, der bereits vor dem 60. Lebensjahr einen Infarkt hatte, ein Gen in sich, welches die Arterienverkalkung begünstigt und damit das Risiko eines Herzinfarktes erhöht. Allerdings gibt es nicht nur eine einzige Erbanlage, die die Herzattacke auslöst. Es existieren zahlreiche Gene, die für sogenannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- oder Triglyceridwerte verantwortlich sind. „In 25% der Fälle liegt eine genetische Anlage für Fettstoffwechselstörungen vor,“ so Prof. Dr. Schuster. „Diese Erkrankung birgt ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Herzkranzgefäßverengung.“

Umweltfaktoren, die das Risiko erhöhen

Eine wichtige, bisher unterschätzte Gefahr für das Herz stellen psychische Probleme und Belastungen dar. Langzeitstudien konnten beweisen, dass depressive Menschen ein etwa zwei- bis viermal so hohes Herzinfarktrisiko haben, wie psychisch gesunde Menschen.

Auch Bakterien können möglicherweise das Herz angreifen. Experten vermuten, dass eine Infektion mit Chlamydien zu einer Schädigung der Herzkranzgefäße führen kann. Von diesen Bakterien war bisher nur bekannt, dass sie zu Lungenentzündungen führen können. Doch offensichtlich bleiben die Chalmydien auch nachdem die Lungenerkrankung abgeklungen ist, oft weiter im Körper. Bei zahlreichen Patienten lassen sich die Erreger nämlich in den entzündeten Gefäßabschnitten nachweisen. Umfangreiche Untersuchungen sollen klären, ob eine Antibiotikatherapie, die die Chlamydien abtötet, auch vor Herzproblemen schützen kann.

Ein weiterer neuer Risikofaktor für den Herzinfarkt wurde erst vor einigen Jahren entdeckt. Der Eiweißbaustein Homocystein scheint neuesten Untersuchungen zufolge für die Gefäße gefährlicher zu sein als Cholesterin. Der Organismus kann Homocystein problemlos wieder ausscheiden, wenn ihm verschiedene Vitamine, vor allem Folsäure ausreichend zur Verfügung stehen. Doch daran mangelt es vielen Menschen.

Nicht vergessen werden sollte aber, dass die „alten“ Risikofaktoren wie Übergewicht, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit und überhöhter Cholesterinspiegel nach wie vor von Bedeutung sind. Nur eine Umstellung der Lebensgewohnheiten kann diese Gefahren beseitigen.

In den letzten Jahren ist die Wissenschaft aber auch noch auf ein anderes interessantes Phänomen gestoßen, welches als „fötale Programmierung“ bezeichnet wird. Unabhängig von den Erbanlagen scheinen auch Einflüsse, die den wachsenden Organismus bereits im Mutterleib treffen, die Weichen für das spätere gesundheitliche Schicksal zu stellen. Möglicherweise wird der Herzinfarkt mit 60 oder 70 Jahren bereits durch eine Mangelernährung im Mutterleib begünstigt. Zu diesem Ergebnis kam der englische Forscher David Baker, Epidemiologe an der University of Southhampton, nachdem er die Daten von 13249 Männern ausgewertet hatte: Liegt das Gewicht bei Geburt unter 5 Pfund, steigt das Risiko, später an einem Herzinfarkt zu versterben, um 50% an.

Fazit

Auch wer ein hohes genetisches Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen in sich trägt, ist dem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert. „Jeder, in dessen Familie bereits ein Herzinfarkt oder auch erhöhte Cholesterinwerte aufgetreten sind, sollte daher ganz gezielt seine Risikofaktoren kontrollieren lassen,“ erklärt Prof. Herbert Schuster, Berlin. Neben einer Kontrolle von Blutfettwerten, Blutdruck, Blutzucker und Homozysteinspiegel, kann man dem eigenen individuellen Risiko auch mit Hilfe eines ausgeklügelten Fragebogens des Berliner Infogen Instituts für Medizinische Genetik auf die Spur kommen. Wird hier ein hohes Risiko nachgewiesen, lässt sich die Gefahr durch eine entsprechende Lebensweise deutlich verringern. „Jeder, der ein hohes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen in sich trägt, sollte regelmäßig Sport treiben. Dadurch können sowohl hoher Blutdruck, hohe Blutfettspiegel und Übergewicht positiv beeinflusst werden,“ rät Prof. Dr. Herbert Schuster. Reicht das – bei einer großen erblichen Belastung – nicht aus, können unterstützend Medikamente gegen hohen Blutdruck oder überhöhte Blutfettwerte vom Arzt verordnet werden.

Weitere Infos: Die Beratung durch das Infogen-Institut, Berlin ist kostenlos