Blue Flower

Kaum einem Körperteil wird soviel Beachtung geschenkt wie dem Kopf und den darauf wachsenden Haaren. Obwohl dem Haarkleid, außer einem Sonnenschutz für die Kopfhaut, heute keine lebenswichtige Funktion mehr zukommt, ist seine Bedeutung immens.

Das zeigt sich auch wirtschaftlich: 250 Million EUR werden in Deutschland jährlich für Haarpflegeprodukte ausgegeben. Volles Haar signalisiert Vitalität und Jugendlichkeit.

Doch jeder 2. Mann muss damit rechnen, jenseits des 20. Lebensjahrs dünne Haare zu bekommen. Mitteleuropäer werden besonders häufig vom Haarausfall geplagt. Bei Afrikanern steht dieses Schicksal nur jedem 4. Mann bevor, bei Asiaten ist die Glatze eher die Ausnahme als die Regel. Hier droht nur 15% der Verlust der Kopfbedeckung. Auffallend ist, dass offensichtlich zunehmend jüngere Menschen betroffen sind. Die Haare gehen oft aus, bevor sie grau werden können. Ob Umwelteinflüsse, Stressbelastung oder veränderte Ernährungsgewohnheiten dafür verantwortlich sind, darüber streiten bislang noch die Experten.

Weniger Haare - weniger Erfolg?

Mit den Haaren schwindet bei vielen auch das Selbstbewusstsein. In den Augen der Anderen erscheinen Männer mit Glatze weniger vorteilhaft als Männer mit vollem Haar. Sogar Personalchefs scheinen von diesen Vorurteilen nicht frei zu sein. Das Emnid-Institut befragte 98 Personalleiter, welche Bewerber sie anhand von Fotos zu einem Vorstellungsgespräch bitten würden. Von den Trägern vollen Haupthaares hätten 41% einen Termin bekommen, von den Kahlköpfen wären hingegen nur 27% eingeladen worden.

Doch nicht immer schneiden Glatzköpfe schlechter ab. Immerhin finden 38% der Frauen Yul Brynner erotisch und immer mehr junge Menschen rasieren sich die noch dichten Haare ab und liegen damit voll im Trend.
Für alle, die sich mit dem Haarausfall nicht abfinden möchten, gibt es aber inzwischen einige wirksame Therapien, um den weiteren Verlust zu stoppen und neue Haare sprießen zu lassen.

Haarausfall - oft eine Familienangelegenheit

Der männliche Haarausfall setzt meist schon zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr ein. Erstes Zeichen ist ein Zurücktreten der Haare an der Stirn und die Bildung sogenannter "Geheimratsecken", dann werden die Haare am Hinterkopf dünner ("Tonsur"). Je nach Erbanlagen weiten sich die lichten Stellen mehr oder weniger schnell aus, bis am Ende nur noch ein hufeisenförmiger Haarkranz an den seitlichen und hinteren Kopfpartien bestehen bleibt. Die Hautärzte Hamilton und Norwood teilten diesen typischen Verlauf in charakteristische Stadien ein. Nicht jeder durchläuft jedoch alle Stadien. Oft ist der Verlauf ähnlich wie beim Vater und Großvater. Hatten diese nur Geheimratsecken, ist die Gefahr, eine Vollglatze zu bekommen, geringer. Waren die Vorfahren schon in jungen Jahren fast kahl, ist die Gefahr für die eigenen Haare größer. Vor allem bei früh (um das 20. Lebensjahr) einsetzendem Haarausfall entwickelt sich oft sehr rasch ein ausgedehnter Haarverlust. Beginnt der Ausfall jedoch erst zwischen 35 und 45, ist die Prognose günstiger, der Haarausfall hält sich dann meist in Grenzen. Wer bis Mitte 40 noch volles Haar hat, bleibt von der Glatze wahrscheinlich verschont.

Meist verläuft der Haarausfall in Schüben. Zeiten mit starkem und auffälligem Haarverlust wechseln sich ab mit Phasen, in denen der Haarausfall scheinbar zum Stillstand kommt. Das macht dann natürlich auch die Wirksamkeits-Beurteilung von Haarwuchsmitteln schwierig. Gleichzeitig bemerken die Betroffenen, dass die Haare fettiger werden. Die Talgdrüsenaktivität der Kopfhaut bleibt nämlich gleich, nur die Zahl der Haare, die den Talg aufnehmen können, nimmt mehr und mehr ab.

Hormone können Haare kosten

Eine wichtige Rolle beim Haarausfall spielen Androgene, die männlichen Hormone. Schon Aristoteles wunderte sich darüber, dass männliche Hormone zwar Wachstum von Bart- und Körperhaaren anregt, am Kopf aber zu einem Verlust der Haare führen - bis heute ist dieses Geheimnis noch nicht gelöst.

Unter dem Einfluss des Sexualhormons Testosteron bzw. seines Abkömmlings Dihydrotestosteron kommt es zu einer Verkürzung der Wachstumsphase und der Nachwuchs fällt zunehmend mickriger aus, bis der Haarfollikel irgendwann abstirbt. Erst einmal in diesem Stadium angelangt, gibt es kein Mittel, das dem toten Follikel wieder neues Leben einhauchen könnte. Doch nicht nur das eigene Testosteron gefährdet die Haare. Auch die Einnahme von Androgenen zum Muskelaufbau und zur Leistungssteigerung im Sport kann Haare kosten. Das Ausmaß des Haarverlustes ist allerdings nicht proportional zur Höhe des Androgenspiegels. Glatzköpfe sind - sorry, meine Herren - nicht potenter, als die Träger vollen Haupthaares.

Haarwasser, Tabletten oder Operation?

Das derzeit wirkungsvollste Mittel gegen die androgenetische Alopezie ist die Finasterid-Tablette (Propecia). In Studien wurde es bisher bei Männern zwischen 18 und 40 Jahren eingesetzt. Doch es wirkt in jedem Alter. Auch Sechzigjährige können davon noch profitieren. Wer den Haarausfall aber nicht gleich von innen behandeln will, kann auch auf Haarwässer mit den Wirkstoffen Minoxidil, 17-alpha-Estradiol oder Aminexil zurückgreifen, wobei hier die Erfolgsquote deutlich geringer ist. Eine Haartransplantation bietet sich vor allem dann an, wenn der Haarausfall nicht zu rasch voranschreitet. Bei ausgeprägtem Haarausfall in jungen Jahren, der später eine fast vollständige Glatze erwarten lässt, würde man mit einer Haartransplantation eher zurückhaltend sein.