Blue Flower

Zu einem raschen und oft auch sehr ausgedehnten Verlust der Haare kann der sogenannte kreisrunde Haarausfall (Alopezia areata) führen. Diese Form des Haarverlustes kann jeden treffen. Selbst Kinder bleiben davon nicht verschont. Der kreisrunde Haarausfall setzt meist unvermittelt und aus voller Gesundheit ein.

An einzelnen oder mehreren, runden oder ovalen Stellen am Kopf fallen plötzlich alle Haare aus. In seltenen Fällen sind nicht nur die Kopf-, sondern auch die Körperhaare (Bart, Augenbrauen, Wimpern, Achsel- oder Genitalbehaarung) befallen. Bei ausgedehntem Verlauf kann das schließlich zum Verlust der gesamten Körperhaare führen. Bei jedem Fünften treten Nagelveränderungen auf. Typisch sind hier kleine grübchenförmige Einsenkungen, sogenannte Tüpfelnägel.

Ursache leider unbekannt

Die genauen Ursachen des kreisrunden Haarausfalls sind noch nicht bekannt. Es wird angenommen, dass eine Fehlsteuerung des Immunsystems eine Rolle spielt. Abwehrzellen werden fehlgeleitet und richten sich gegen Bestandteile des Haares, die Haarwurzeln werden abgestoßen. Von Bedeutung sind sicherlich auch Erbanlagen, denn gelegentlich tritt die Alopecia areata familiär gehäuft auf. Der kreisrunde Haarausfall ist jedoch nicht Folge einer inneren Erkrankung, wie gelegentlich von Betroffenen befürchtet wird. Dennoch treten einige Krankheiten gehäuft zusammen mit der Alopecia areata auf. In vielen Fällen leiden die Betroffenen gleichzeitig unter Neurodermitis, Heuschnupfen oder der Weißfleckenkrankheit. Auch Schilddrüsenstörungen können die Alopecia areata begleiten.

Beruhigend - die Haare können jederzeit wieder wachsen

Da die Haarwurzeln aber nicht zerstört sind, sondern nur "ruhen", können die Haare jederzeit und auch ganz ohne Therapie wieder wachsen. Der Verlauf des kreisrunden Haarausfalls ist jedoch unberechenbar. Einzelne kahle Stellen bei Erwachsenen schließen sich meist nach wenigen Monaten wieder von selbst. Die Wahrscheinlichkeit eines spontanen Wachstums nimmt aber mit der Dauer des kreisrunden Haarausfalls ab. Bei 30% der Patienten dauert der erste Schub weniger als 6 Monate, dann sind die Haare wieder da. Bei weiteren 30% wächst das Haar innerhalb eines Jahres - ganz ohne Therapie - wieder. Ein Drittel muss allerdings damit rechnen, dass die Haare in den nächsten Jahren nicht wieder von selber wachsen. Und jeder 2. erleidet nach einer Abheilung innerhalb von 5 Jahren wieder einen neuen Schub.

Leider gibt es keine sichere Möglichkeit, um vorherzusagen, ob die Haare von selber wieder wachsen oder ob eine der oft langwierigen Therapien eingeleitet werden muss. Liegt ein recht ausgedehnter Befall vor allem im Schläfen und Hinterkopfbereich vor, dauert der Haarverlust schon mehrere Jahre an, besteht gleichzeitig eine Neurodermitis oder Heuschnupfen oder hat der Haarausfall bereits in der Kindheit oder Jugend begonnen, sind die Chancen für ein spontanes Haarwachstum eher schlechter. In diesem Fall sollte die Entscheidung zur Therapie leichter fallen.

Therapiemöglichkeiten

Die derzeit wirkungsvollste Therapie ist die topische Immuntherapie. In 50 bis 80% der Fälle kann dadurch ein erneutes Haarwachstum erreicht werden. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen für ein Wiederwachstum der Haare. Vereinzelte Therapieerfolge treten auch nach Anwendung von Kortisonsalben, durch Lichtbestrahlung oder Anwendung des hautreizenden Wirkstoffes Dithranol ein. Die Erfolgsaussichten sind hier aber schlechter als bei der topischen Immuntherapie. Einige Patienten konnten auch durch die Einnahme von Zinktabletten (täglich 20 bis 50 mg Zink, je nach Verträglichkeit, z.B. Zinkorotat POS 1-2 Tbl. Täglich, mindestens 6 Monate) den Haarausfall stoppen.

Topische Immuntherapie

Wirkung:
Diese Therapie ist nur zur Behandlung des kreisrunden Haarausfalls geeignet. Hier sind aber Erfolgsquoten von 50% und mehr zu erwarten. An den kahlen Stellen wird ein Kontaktekzem durch Auftragen einer zweiprozentigen Diphenylcyclopropenon (DCP)-Lösung erzeugt. Dann wird wöchentlich eine verdünnte DCP-Lösung aufgetragen. Nach einigen Monaten Behandlungsdauer können selbst bei schweren Formen die Haare wieder sprießen. Die Wirkung der Therapie beruht möglicherweise auf einer sogenannten "Allergenkonkurrenz", d.h. dass dem Immunsystem die "Bekämpfung" des Kontaktallergens plötzlich wichtiger erscheint und es den Angriff auf die Haarfollikel einstellt.

Nebenwirkungen:
Nebenwirkungen, die zum Beispiel auch jeder Nickelallergiker nach dem Tragen der Armbanduhr oder Kontakt mit dem Jeansknopf kennt, sind vor allem leichter Juckreiz und Rötung. Die Lymphknoten im Nacken können anschwellen.

Wie und wo erhältlich:
Obwohl sich die Anwendung von DCP bisher als unschädlich erwiesen hat, ist die topische Immuntherapie noch keine allgemein zugelassene Behandlung. Die Behandlung wird deshalb nur in bestimmten Zentren und Fachkliniken durchgeführt. An vielen Universitätshautkliniken besteht die Möglichkeit einer Behandlung.

Kosten pro Monat:
Wenn bisher andere Therapien versagt haben, kann ein Antrag bei der Krankenkasse auf Kostenübernahme gestellt werden.

Fazit:
Derzeit wirkungsvollste Therapie bei kreisrundem Haarausfall. Es muss aber eine Behandlungsdauer von einem Jahr und mehr in Kauf genommen werden.