Blue Flower

In der "Chemiefabrik Gehirn" werden ständig zahlreiche Nervenbotenstoffe und drogenähnliche Substanzen gebildet, die Intelligenz, Stimmung, Emotionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinflussen. Die Grundstoffe für diese Psychodrogen stammen aus der Nahrung.

Wer das Richtige zur rechten Zeit isst, kann dadurch seine geistigen Fähigkeiten steigern, Leistungstiefs über den Tag vermeiden und abends besser schlafen.

Tyrosin und Tryptophan

Zwei Konkurrenten, die in unserer Nahrung vorkommen, konkurrieren darum, die so genannte Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und in unser Gehirn zu gelangen: Die beiden Eiweißbausteine Tyrosin und Tryptophan.
Der Eiweißbaustein Tryptophan ist vor allem in eiweißreichen Nahrungsmitteln wie Fisch, Milch, Milchprodukten, Fleisch und Hülsenfrüchten, aber auch in Bananen, Mandeln und Sonnenblumenkernen enthalten. Aus dem Eiweißbaustein wird im Gehirn das "Glückshormon" Serotonin gebildet.
Damit Tryptophan aus den eiweißreichen Nahrungsmitteln in ausreichender Menge ins Gehirn kommt, ist die zusätzliche Aufnahme von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln wie Vollkornbrot, Nudeln, Reis, Mais oder Hirse notwendig. In der Zirbeldrüse wird dann wiederum das Schlafhormon Melatonin aus dem Botenstoff Serotonin gebildet.
Wer gut schlafen möchte, sollte deshalb abends die genannten eiweißreichen Nahrungsmittel zusammen mit kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln aufnehmen. Bekanntes Beispiel ist die Milch (Eiweiß) mit Honig (Kohlenhydrate) als Schlaftrunk.
Der Eiweißbaustein Tyrosin hingegen vertreibt Müdigkeit, macht hellwach und verbessert die geistige Leistungsfähigkeit. Tyrosin ist in verschiedenen eiweißreichen Nahrungsmitteln enthalten. Manche Nahrungsmittel enthalten sowohl Tyrosin als auch Tryptophan enthalten Tyrosin kann ohne die Hilfe der Kohlenhydrate ins Gehirn gelangen.

... und noch mehr Nahrungsmittel für die Psyche

Kaffee macht gute Laune und kann sogar leichte Depressionen deutlich bessern. Koffein bindet sich an bestimmte Rezeptoren im Gehirn und begünstigt hier die Freisetzung chemischer Stoffe, welche die Stimmung verbessern. Die Wirkung hält etwa zwei Stunden an. Doch Kaffee ist nicht nur ein wirksames Antidepressivum. Auch Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsvermögen und die Merkfähigkeit werden durch ein bis zwei Tassen nachweislich verbessert.

Zucker und Honig wirken beruhigend und können vor allem bei Winterdepressionen sehr wirkungsvoll sein. Nach einer zuckerhaltigen Mahlzeit steigt im Gehirn die Produktion von Serotonin, einem Botenstoff, der eine beruhigende und entspannende Wirkung hat, an. Das süße "Betthupferl" am Abend ist sinnvoll für alle, die schlecht einschlafen.

Chili und andere scharfe Gewürze können "high" machen. Bei Schmerzen jeder Art - und für unseren Körper ist das Brennen in Mund und Rachen durch scharfe Gewürze ein Warnsignal - schüttet der Organismus körpereigenes Morphium, das Endorphin, aus. Endorphine dämpfen Schmerzen und lösen gleichzeitig eine leichte Euphorie aus. Wer in Beruf und Freizeit nach Thrill, Sensationen und Abenteuer sucht oder gerade gut gelaunt ist, bevorzugt, so der amerikanische Psychologe Zuckerman, würzige und scharfe Gerichte, die beim Kauen knackig sind.
Schlecht gelaunt und depressiv geben wir musigem, cremigem und weichem Essen den Vorzug.

Meeresfrüchte und Fische geben Energie zum Denken. Durch den hohen Eiweiß- und geringen Fett- und Kohlenhydratanteil sind Fischgerichte die ideale Hirnnahrung für Kopfarbeiter. Sie liefern vor allem große Mengen des Eiweißbausteins Tyrosin, der zu den geistig anregenden Gehirnbotenstoffen Norepinephrin und Dopamin umgewandelt wird. Diese wirken sich wiederum positiv auf die Stimmung aus und steigern die Energie. Nach Fischmahlzeiten können die meisten Menschen besser denken, sind reaktionsschneller und aufmerksamer, motiviert und geistig besonders leistungsfähig.

Die richtige Kombination für einen Arbeitstag

Wer den ganzen Tag über fit sein möchte, sollte deshalb am Morgen eine eiweiß- und kohlenhydratreiche Mahlzeit zu sich nehmen. Ideal sind zum Beispiel Joghurt mit Müsli oder Vollkornbrot mit Frischkäse. Dazu eine Tasse Kaffee.
Mittags sollte das Essen eiweißreich und fettarm sein. Fisch mit Gemüse und zum Nachtisch Quark mit Früchten verhindern das nachmittägliche Leistungstief. Wem noch unangenehme Arbeiten bevorstehen, der sollte sich mit scharfen Gewürzen "dopen".
Abends sorgen dann Kohlenhydrate wie zum Beispiel Nudelgerichte für Entspannung und erleichtern das Abschalten.