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Wird Sport unter Leistungsaspekten und erfolgsorientiert betrieben, scheint er für unsere Gesundheit ähnlich schädlich zu sein, wie Dauerstress im Beruf – zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Max–Planck–Instituts für Psychiatrie in München.
Untersucht wurden ältere Marathonläufer (Durchschnittsalter 55 Jahre), die ihren Sport seit mindestens zehn Jahren betrieben und in der Woche zwischen 120 und 150 Kilometer im Training zurücklegten. Durch die ständige intensive körperliche Belastung – so konnte durch Blutuntersuchungen nachgewiesen werden – kommt es in den Nebennieren der Marathonläufer zu einer Überproduktion des Stress–Hormons Cortisol. Der natürliche Regelkreis, der eigentlich eine Dauerproduktion verhindern soll, funktioniert bei den Marathonläufern nicht mehr. Ähnlich wie ein defekter Thermostat, der die Heizung trotz hoher Raumtemperatur nicht mehr auf »normal« zurückschalten kann, ist auch der Rückkopplungsmechanismus bei Marathonläufern derart gestört, dass die durch den Sport verursachten hohen Cortisol–Spiegel nicht mehr auf Normalwerte eingestellt werden können. In Untersuchungen an Tieren konnte bereits gezeigt werden, dass Dauerstress das Gedächtnis beeinträchtigt. Die Tests des Max–Planck–Instituts konnten diesen Effekt nun auch bei den unter »Dauerstress« stehenden Langstreckenläufern nachweisen. Sie hatten, verglichen mit den älteren Kontrollpersonen, ein wesentlich schlechteres Kurzzeitgedächtnis. So konnten die sportlich Aktiven nach einer halben Stunde erlernte Begriffe deutlich schlechter wiedergeben als die unsportlichen Kontrollpersonen. Quelle:
Meermann, H.: »Ältere Marathonläufer leben unter Stress«. MPG–Spiegel, Januar 1992 Meermann, H.: »Gedächtnisstörungen bei älteren Marathonläufern«. MPG–Spiegel, April 1995 |