Blue Flower

Finanziell lohnt es sich für Kellnerinnen, in rote Kleidung zu schlüpfen: Männliche Gäste werden dadurch großzügiger bei der Bemessung des Trinkgeldes, behaupten französische Forscher. „Männliche Gäste geben grundsätzlich mehr Trinkgeld als weibliche. Darüber hinaus sind sie bei einer Bedienung in Rot um 14 bis 26 Prozent spendabler als bei anderen Farben“, berichten die Studienautoren Nicolas Guéguen und Céline Jacob von der  Université de Bretagne-Sud.

Elf Kellnerinnen in fünf Restaurants wurden gebeten, sechs Wochen lang während der Arbeit T-Shirts in Schwarz, Weiß, Rot, Blau, Grün und Gelb zu tragen. An jedem Wochentag war eine andere Farbe an der Reihe. Den Gästen gegenüber sollten sie sich verhalten wie immer und jedes Mal  dokumentieren, wie viel Trinkgeld sie bekommen hatten. Tatsächlich gaben Männer an den »roten Tagen« mehr, während bei weiblichen Gästen keine Farbwirkung festzustellen war.
Doch ein rotes Kleidungsstück wirkt nicht nur in natura, sondern erhöht die Attraktivität selbst auf einem Foto.  Ein Testlabor an der US-amerikanischen Universität von Rochester: Auf einem Computerbildschirm ist das Foto einer Frau zu sehen. Sie ist Ende 20, trägt ein grünes T-Shirt, hat mittelbraunes, kinnlanges Haar, der Gesichtsausdruck ist neutral. Die Frau wirkt eher unauffällig. „Durchschnittstyp, mäßig interessant“, fällt dementsprechend auch das Urteil eine Gruppe männlicher Testpersonen aus, als das Bild der Frau am Computer erscheint.

Nur rot macht attraktiver

„Attraktiv, tolle Frau“, urteilt eine andere Männergruppe über das gleiche Foto. Die Psychologen um den Wissenschaftler Andrew Elliot hatten lediglich die Farbe des Shirts auf dem ansonsten völlig identischen Foto in ein feuriges Rot verwandelt – und plötzlich war das Interesse geweckt. „Wie hübsch finden Sie die Frau?“, „Würden Sie mit ihr ausgehen?“, „Wenn Sie bei einem Rendezvous mit dieser Frau 100 Dollar in der Tasche hätten, wie viel würden Sie bei dieser Verabredung ausgeben?“ – solche und ähnliche Fragen mussten die Männer nun beantworten. Das Ergebnis: Trug die Frau Rot, wirkte sie deutlich attraktiver. Die Chancen, ein Date zu bekommen, verdoppelten sich und die befragten Männer wären bei einem solchen auch deutlich spendabler gewesen. Umgekehrt funktioniert das Ganze jedoch ebenfalls: Auch Frauen finden einen „Mann in Rot“ besonders attraktiv und würden bevorzugt mit ihm ausgehen „Wir haben nachgewiesen, dass Frauen rot gekleideten Männern mehr Geld und einen höheren sozialen Status zuordnen“, erklärt der Studienleiter Andrew Elliot.
Rot ist nach den Ergebnissen der Attraktivitätsforschung die einzige Farbe, die attraktiver macht. Auf die Rot reagiert das menschliche Auge hochempfindlich. Kein Wunder, dass diese Farbe sowohl im Straßenverkehr als auch in der Werbung besonders häufig verwendet wird, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Diese Aufmerksamkeit erweckt auch der Träger roter Kleidung. Es braucht also nur den richtigen Griff in den Kleiderschrank, um auch ohne dichtes Haar, volle Lippen, den idealen Busen oder perfekt definierte Muskeln anziehender auf das andere Geschlecht zu wirken.

Schöner durch gesunden Lebensstil

„Schönheit hat gleichzeitig einen ganz engen Bezug zur Gesundheit“, erklärt Dr. Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg und Autorin des Buchs „Warum Achterbahn fahren attraktiver macht und Schokolade vor Falten schützt“. „Eine aufrechte Körperhaltung, ein entspannter Gesichtsausdruck, volle Lippen, glänzende Haare und ein rosiger Teint signalisieren, dass unserem Gegenüber nichts fehlt – und das zieht uns magisch an. Auch die rote Farbe der Kleidung lässt unseren Teint rosig und gut durchblutet, sprich gesund erscheinen. Viele „Attraktivitätsmerkmale“ lassen sich deshalb nicht nur durch entsprechende Kleidung, sondern vor allem durch einen gesundheitsförderlichen Lebensstil verbessern.“

Gemüseteint wirkt anziehender

Eindrucksvoll belegt das eine britische Studie, die behauptet, dass der Teint in vier Wochen deutlich attraktiver wird, wenn man nur das Richtige isst. Das Forschungsteam um Dr. Ian Stephen von der Universität Nottingham wies nach, dass fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag ausreichen, um innerhalb von einem Monat eine anziehendere Gesichtsfarbe zu bekommen. Teilnehmer sollten am Computer den Hautton auf Fotos so abändern, dass ihnen die abgebildeten Personen möglichst gesund und hübsch erschienen. In fast allen Fällen wurde der Teint deutlich gelblicher, heller und rosiger gewählt als auf dem Originalfoto. Die Grundlage der gelblichen Haut-Nuance bilden natürliche Pflanzenstoffe, die mit der Nahrung aufgenommen und anschließend in hoher Konzentration in der Haut abgelagert werden. Doch warum wirken die Obst- und Gemüseesser offenbar anziehender? Attraktivität basiert zum Teil auf der Hautfarbe. Der regelmäßige Verzehr karotinoidreicher, roter oder oranger Nahrungsmittel wie Karotten, Tomaten, Wassermelonen oder Aprikosen verleiht dem Teint allmählich eine goldene Färbung, die Männer an Frauen besonders attraktiv empfanden – so das Ergebnis der Untersuchung. Obwohl viele immer noch eine dunkle Sonnenbräune für den Inbegriff der Schönheit halten, scheinen die meisten Menschen instinktiv eine „gesunde“ Gesichtsfarbe, wie sie durch Obst und Gemüse hervorgerufen wird, zu bevorzugen und anziehender zu finden. Angenehmer Nebeneffekt: Die Haut altert langsamer. An der Berliner Charité stellte man kürzlich fest, dass Frauen mit einem hohen Karotinoidspiegel im Blut für ihr Alter deutlich jünger aussehen und weniger Falten aufwiesen.

Sympathie punktete auf der Attraktivitätsskala

„Doch nicht nur mit dem Äußeren lässt sich punkten, auch innere Werte zählen, wenn es um die Einstufung auf der Attraktivitätsskala geht“, meint Michaela Axt-Gadermann. „Sympathie ist hier ein großes Kapital.“ Selbst Menschen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt den Schönheitsnormen entsprechen, werden attraktiver, wenn wir sie mögen. Wenn sie spannende Geschichten erzählen, uns zum Lachen bringen oder hilfsbereit sind, beginnen sie zu strahlen. Freude, Enthusiasmus und Gefühle machen aus einer Durchschnittsperson einen faszinierenden Menschen. Wahre Schönheit kommt also doch von innen und Anziehungskraft geht weit über äußere Merkmale hinaus. Das konnten Forscher der Universität von Wisconsin jetzt sogar wissenschaftlich belegen: Personen, die einander mochten, bewerteten sich automatisch als deutlich attraktiver als diejenigen, die ihnen unsympathisch waren. Unter anderem testeten die Wissenschaftler, wie die Teilnehmer eines Sommercamps die anderen Mitglieder einschätzten. Teamplayer galten besonders häufig als hübsch, Egoisten konnten mit ihrem Äußeren hingegen weniger punkten. Besonders anziehend auf andere wirkt auch, wer Gefühle der Sympathie und Zuneigung nicht nur mit Gesten andeutet, sondern offen ausspricht. Sätze wie „Ich finde dich fantastisch“ zu sagen, macht auch ohne Fitnesstraining und Lippenstift hübscher. Und nicht nur der Lobende erscheint plötzlich interessanter und begehrenswerter – auch der Gelobte blüht unter den warmen Worten auf.

Mehr Attraktivitäts-Tricks finden Sie in dem Buch
Axt-Gadermann, Michaela „Warum Achterbahn fahren attraktiver macht und Schokolade vor Falten schützt“, Herbig Verlag 2013

Foto: pixelio.de, Hans-Joachim Schüngeler