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Jetzt ist es bald wieder so weit: Die Sommerferien sind vorbei. Und der Schulalltag hat sowohl die Kinder als auch deren Eltern wieder fest im Griff. Doch die Zeit des Tobens, Spielens und Sporttreibens sollte nicht mit dem ersten Schultag enden. Denn durch den Lebensstil lassen sich die Schulnoten um mindestens eine Notenstufe verbessern. Noten hängen nicht alleine nur vom Lernpensum ab. Auch das Umfeld und der Lebensstil können helfen, den Lernstoff besser zu behalten und in der Schule leichter mitzukommen. Heute weiß man, dass zum Beispiel Spielen und Sport treiben keine sinnlosen Beschäftigungen sind, sondern für die geistige und körperliche Entwicklung ebenso wichtig wie Vokabeln lernen und Mathematik pauken.

Zahlreiche Studien, die in dem Ratgeber „Was Kinder schlau und glücklich macht“, Herbig Verlag zusammengefasst wurden, belegen, dass Lebensstil und häusliches Umfeld nicht nur die Zufriedenheit und Ausgeglichenheit beeinflussen, sondern die Kinder auch – sozusagen nebenbei – konzentrierter und leistungsfähiger machen und somit eine ganze Menge zum Gelingen der Schulzeit beitragen können. Einen besonders großen Einfluss haben nach Meinung der Expertin neben Sport und Spiel vor allem Ernährung, Schlafverhalten und Medienkonsum. Sie ist sich sicher, dass der Lebensstil für mindestens eine Notenstufe – sowohl nach oben als auch nach unten – verantwortlich ist. Das Gute: Sie müssen nicht von heute auf Morgen das Leben Ihrer Kinder völlig umkrempeln: Oft lassen sich schon mit kleinen Lebensstilveränderungen spürbare Effekte erzielen, die sich auch im nächsten Schulzeugnis niederschlagen. Häufig sind es nämlich ganz banale Dinge, die am Ende des Schuljahres über Erfolg oder Misserfolg mitentscheiden können.

1. Frühstück – Startschuss für gute Schulleistungen

Jeder dritte Schüler verlässt morgens ohne Frühstück das Haus. Wer morgens nüchtern  zum Unterricht geht, bekommt schnell Probleme mit der Konzentration und Leistungsfähigkeit, denn unser Gehirn kann ohne Kohlenhydrate nicht effektiv arbeiten. Spätestens ab der zweiten Stunde sind diese Kinder den Mitschülern, die gefrühstückt haben, deutlich unterlegen. In einer Untersuchung an Neun- bis Elfjährigen ließ sich eindeutig nachweisen, dass Schulkinder, die morgens ein vollwertiges Frühstück verzehrt hatten, bei Lernaufgaben deutlich besser abschnitten als Mitschüler, die ohne etwas zu essen in die Schule kamen. Wer zum Frühstück Vollkornprodukte verzehrt, kann sich bis zum Abend besser konzentrieren, macht weniger Fehler und verfügt den ganzen Tag über eine bessere geistige Leistungsfähigkeit hat eine schwedische Studie gezeigt. Ein idealer Schulstart besteht aus Vollkornprodukten (Müsli, Vollkornbrot oder Vollkornbrötchen), Milchprodukten (Milch, Quark, Joghurt) und Obst (Saft, Obststückchen).

2. Trinken lässt Ideen sprudeln

Die meisten Kinder, die morgens nicht frühstücken, trinken auch nichts vor der Schule. Hier werden ebenfalls wichtige Punkte verschenkt. Grundschüler behalten den Lernstoff nämlich schneller und leichter, wenn sie während des Unterrichts so oft und so viel trinken dürfen, wie sie wollen und auch vom Lehrer noch aktiv zum Trinken aufgefordert werden. Bei Abiturienten brachten die mit der größten täglichen Trinkmenge die besten Leistungen in den Prüfungen. Studenten, die vor der Vorlesung zwei große Gläser Wasser tranken, konnten sich mehr Vorlesungsstoff merken als ihre schlecht mit Flüssigkeit versorgten Kommilitonen. Sie arbeiteten engagierter mit und hatten mehr Freude an der Veranstaltung, so das Ergebnis der Rossbacher Trinkstudie.

3. Schlauer durch Schlaf

Ausreichend Schlaf ist notwendig, um den Lernstoff zu verarbeiten und im Gedächtnis zu speichern. Deshalb bringt Lernen vor der Klassenarbeit nur halb so viel, wenn die Schüler anschließend nicht auch Zeit haben, ausreichend zu schlafen und so den Stoff zu festigen. Die Leistungseinbußen durch Schlafmangel sind beträchtlich. Sechstklässler bringen nur noch die Leistung von Viertklässlern, wenn sie unausgeschlafen sind, stellte Dr. Avi Sadeh von der Universität Tel Aviv fest. Im Schnitt schlafen Schüler mit guten und sehr guten Noten an Schultagen durchschnittlich 25 Minuten länger als ihre Klassenkameraden mit Zensuren im unteren Leistungsbereich.

4. Bewegung bringt entscheidende Vorteile

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Förderung der geistigen Entwicklung ist Sport. So stellt Bewegung, besonders dann, wenn sie die Geschicklichkeit der Kinder fördert, einen enormen Entwicklungsbeschleuniger dar und unterstützt das Denken, Lernen und Behalten. Untersuchungen haben gezeigt, dass z.B. Kinder, die gut balancieren können, nicht nur in Sport, sondern auch in Deutsch und Mathematik fast eine Note besser sind als Schüler mit einem schlechten Gleichgewicht. Auch wer den Schulweg zu Fuß zurücklegt, profitiert davon: Schüler, die sich vor dem Unterricht etwa 20 Minuten gingen, brachten in den ersten beiden Stunden bessere Leistungen, die in etwa einer Notenstufe entsprachen.

5. Medien in Maßen

Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, desto schlechter fallen die Noten aus. Die eindeutig negativen Auswirkungen übermäßigen Fernsehkonsums vor allem auf die Deutsch- und Mathematiknoten sind inzwischen eindeutig belegt. Wird der Fernseher gleich nach der Schule zur „Entspannung“ eingeschaltet, bleibt weniger Gelerntes hängen, denn die Bilderflut behindert das Abspeichern des Schulstoffs. Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher verbringen, desto größer ist das Risiko, dass sie als Erwachsene nur einen niedrigen Bildungsabschluss erlangen. Aber: Auch völlige Fernsehabstinenz ist nicht gut für die Schulleistungen. Am besten schneiden Kinder mit einem gemäßigten Fernsehkonsum und einer gezielten Auswahl der Sendungen ab

6. Zeit nehmen für Gespräche und zum (Vor)lesen

Viele Grundschulkinder haben einen zu geringen Wortschatz. Je mehr Sie mit Ihrem Kind sprechen, erzählen, singen oder Geschichten vorlesen, desto besser entwickelt sich die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Vermeiden Sie eine ständige Geräusch-Berieselung. Wenn den ganzen Tag das Radio oder der Fernseher läuft, leidet die Sprachentwicklung der Kinder enorm. Zeigen Sie Ihrem Kind auch wie spannend Bücher sind. Lesekompetenz ist eine Voraussetzung für den Schulerfolg. Allerdings wird nur noch jedem fünften Kind regelmäßig vorgelesen. Dabei entscheiden oft die ersten, angenehmen Kontakte mit Büchern darüber, ob ein Kind später Spaß am Lesen hat oder nur mit Widerwille zum Buch greift. Diese Weichen sind meist bis zum 12. Lebensjahr gestellt. Auch hier ist das Vorbild der Eltern wichtig. Wenn der Vater höchstens mal in einer Autozeitschrift blättert, ist es schwierig, die Kinder zum Lesen zu ermutigen.

Noch mehr Infos zum Schulstart
Axt-Gadermann Michaela, Axt Peter: Was Kinder schlau und glücklich macht. Herbig Verlag 2010,  17,95€

Foto: pixelio.de, Ich-und-Du