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fzm - Wenn die Hormonproduktion im Alter langsam abnimmt, verändert sich der Körper: Die Muskelmasse schwindet, die Fettverteilung wird ungünstiger, die Knochen werden weniger stabil. Besonders deutlich aber machen sich die sinkenden Hormonspiegel an der Haut bemerkbar, die dünner wird und mehr und mehr zur Faltenbildung neigt.

Wie vielfältig das Wechselspiel zwischen Hormonen und Haut ist, zeigen die an der städtischen Hautklinik in Dessau und an der Berliner Charité tätigen Dermatologen Professor Dr. Christos Zouboulis und Dr. Evgenia Makrantonaki nun in der Fachzeitschrift "Aktuelle Dermatologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) auf.

Ein Drittel des Lebens im Hormonmangel

Neben den bekannten Geschlechtshormonen – den Östrogenen bei der Frau und den Androgenen beim Mann – nehmen mit zunehmendem Alter auch die Spiegel anderer Hormone ab. Zu diesen zählen etwa das Melatonin, das Wachstumshormon, und der Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor IGF-1. "Männer verbringen rund 20 Jahre, Frauen sogar ein Drittel ihres Lebens unter Hormonmangel", konstatieren die Autoren. Den versiegenden internen Jungbrunnen durch die Hormonzufuhr von außen zu unterstützen, wäre zwar verlockend einfach, hat sich aber – wie bei der Hormonersatztherapie für Frauen – als nicht ungefährlich erwiesen. Zum Testosteron-Ersatz bei Männern gibt es noch keine umfangreichen Daten, aber auch hier besteht der Verdacht, dass die künstlich hohen Hormonspiegel das Risiko für bestimmte Krebsarten steigern.

Die Haut als Hormonfabrik

In ihrem Beitrag weisen Professor Zouboulis und Dr. Makrantonaki auf einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma hin: Denn die Haut ist nicht nur ein passiver Empfänger der verschiedenen Hormone – sie wandelt sie um, baut sie ab oder produziert sie zum Teil sogar selbst. "Die Haut ist das größte endokrine Organ überhaupt", schreiben die Dessauer Mediziner, "die Hautzellen sind Ziele sowie Erzeuger von Hormonen". Testosteron etwa wird in der Haut aus seinen Vorläufern hergestellt, und auch mit Östrogenen versorgt die Haut sich zum Teil selbst. Nach Ansicht der Autoren könnte diese Fähigkeit der Hautzellen genutzt werden, um neue Strategien des Hormonersatzes zu entwickeln. Nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" könnten solche Ansätze die lokale, als intrakrin bezeichnete Hormonproduktion in der Haut steigern. Damit könnten die Risiken einer den ganzen Körper betreffenden Hormonersatztherapie möglicherweise umgangen werden – und die Haut könnte ihre strahlende Frische etwas länger behalten.

E. Makrantonaki und C.C. Zouboulis: Die Rolle der Hormone für die Hautalterung – Aktuelle Aspekte. Aktuelle Dermatologie 2006; 32 (7): S. 303-308